Robert in der SZ

Mein Partner Robert hat gestern einen schönen Artikel in der SZ (Süddeutsche Zeitung vom 19.02.2014: Beats und Business: München und Region) gehabt:

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Die erste Krawatte kommt um 20.56 Uhr. Bis dahin: eine ganz legere Herrenrunde. Die Männer, alle zwischen Anfang 30 und Anfang 50, sind lässig gekleidet. Die Hemden, nicht bis oben zugeknöpft, hängen zuweilen aus den Jeans. Manche nehmen auch im Kellerraum der Gaststätte in der Innenstadt ihren Schal nicht ab, ein anderer hat seinen weinroten Kaschmirpullover um den Hals geknotet. Eine abendliche Herrenrunde, allerdings etliche Millionen Euro schwer. Sie nennen sich Munich Angels. Münchner Business-Angels, also Unternehmer, die in ihrem Leben erfolgreiche Firmen aufgebaut, mit dem Verkauf ihrer Anteile viel Geld gemacht haben und jetzt bereit sind, in junge Unternehmen zu investieren. Seit Ende 2010 trifft sich dieser Kreis regelmäßig, mit dabei sind unter anderem Gründer von GMX, Interhyp, Cortal Consors, OneAdvertising. 30 bis 40 Bosse. Und ein Rockmusiker: Robert Redweik, der Gründer des Zirkels.

Beats und Business – passt das zusammen? “Ich bin keiner, der mit Anzug herumläuft”, sagt Robert Redweik, 30, “das will ich auch nicht.” Er studierte Technologie- und Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität München – auch, weil er nebenbei genügend Zeit für seine Musik haben wollte. Er schrieb seine Doktorarbeit über Business- Angel-Netzwerke, arbeitet beim Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München und hält für Studenten Geschäftsplanungskurse. Seine Haare sind zottelig, der Bart wird nur alle paar Tage gestutzt, die Jeans trägt er eng, dazu knöchelhohe Stiefel aus Leder und eine schlappernde Jacke – alles durchaus modisch, keineswegs billig: schick genug, um sich unter Millionären nicht unwohl zu fühlen, aber eben auch hinreichend rebellisch, um aufzufallen. Ein bisschen Draufgänger, ein bisschen Träumerle. Das ist die modische Ebene. Hinzu kommt noch das Geschäftliche. Wenn man so will, ist Robert Redweik eine Marke. Ein großes Versprechen, weswegen Unternehmen Geld in ihn investieren, viel Geld. Seine Deutsch-Rock-Band ist nach ihm benannt, kurz: Redweik. Sie bekommt einen Plattenvertrag bei Warner, eines der wenigen großen Musiklabels in Deutschland. Von einer Förderung im sechsstelligen Bereich spricht Redweik, und das, obwohl die Band in ihrer Heimatstadt München nicht unbedingt zu den bekanntesten zählt. Ein Unterwäschefabrikant lässt leichtbekleidete Models in bunten Büstenhaltern in einem Redweik-Video auftreten, der Fernsehsender Pro Sieben engagiert den Münchner als Moderator für die Internetshow “Etage 7″, die parallel zur Casting-Sendung “The Voice of Germany” läuft. Die Plattenfirma Universal wiederum holt ihn – ohne einen ersten eigenen Hit – als Songschreiber ins Team: Howard Carpendale etwa hatte auf seinem vor ein paar Wochen erschienenen Album Redweik-Songs. Alles eine Frage des Netzwerkens, aber der Reihe nach. Aufgewachsen ist Robert Redweik in Neuried. Er singt im Tölzer Knabenchor und gründet Jahre später im Gymnasium seine erste Band. Aus dieser Combo entwickelt sich die Münchener Ska-Band Ill at Ease, die den Publikumspreis beim Emergenza-Wettbewerb gewann und 2005 bei ihrem letzten Konzert die Backstage-Halle füllen konnte. Was für Robert Redweik blieb, war die Lust, auf der Bühne zu stehen. Und weil er sich für seine Band um das Booking und das Management kümmerte, studierte er – kombiniert mit Chemie – BWL. Viele seiner ehemaligen Kommilitonen kassieren heute als Unternehmensberater hohe Gagen. Mit ihnen tauschen möchte Redweik nicht. “Die Maxime war bei mir nie Geld”, sagt er. “Wenn ich die Wahl hätte zwischen Geld oder Zeit und Leidenschaft, dann wähle ich Zeit und Leidenschaft.” Kunst statt Karriere – und das bedeutet bei Betriebswirtschaftlern eben auch: Kontakte knüpfen. So lernt er den Musikproduzenten Andy Lutschounig kennen, der mit No Angels und DJ Bobo gearbeitet hat – und der Redweik animiert, fortan deutsche Texte zu singen. Auch seine Kontakte zu Business Angels nutzt er für seine Musikkarriere. “Ich kannte die Vorstände von Pro Sieben, da habe ich einfach mal reingeschossen”, sagt er. Also Demo-Bänder verschickt – alles ergebnisoffen. Auch an die Chefetagen von Plattenfirmen, “da bin ich von ganz oben ins Haus reingefallen”. In seiner Wohnung hängt übrigens ein gigantisches Robert-Redweik-Foto, aufgenommen bei einem Konzert.

Und weil er sich wissenschaftlich mit dem Thema Geschäftsplanung, mit Effizienz, Risikobereitschaft und Erfolg auseinandersetzt, nutzt er sein Knowhow für sein Kerngeschäft. Redweik will aber nicht den schnellen Erfolg, sagt er zumindest. “Man muss sich in der Musik genauso frei machen vom Gedanken, das schnelle Geld zu verdienen, wie bei einer Unternehmensgründung”, sagt er. Des bedeutet für ihn auch, “sich Zeit zu nehmen, die richtigen Partner zu finden. Für uns als Band war die Wahl unseres Partnerumfeldes genauso von zentraler Bedeutung wie der kreative Prozess an sich.” So untersucht er die deutschsprachige Musikszene, forscht, welche Band welchen Manager hat, und verschickt zehn “freche E-Mails”.

So fand Redweik Erich Laser. “Ich war beeindruckt von Robert Redweiks Gabe, die Dinge zu reflektieren und zielstrebig auf Ziele hinzuarbeiten”, sagt der Musikmanager. Für ihn ist der Musiker ein “unheimlich vielseitiger Künstler”, außerdem könne er “das ganze Team mit seiner Begeisterung anstecken und Leute mit Leichtigkeit für seine Sache gewinnen”. Und wenn das nicht klappt, hilft eben der Pressetext. Dort liest man dann von einem “Klangkosmos, der so in Deutschland bisher nicht zu hören war”. Ganz schön viel Wind für Deutsch-Rock, der im Jahr 2014 nun wirklich nicht mehr außergewöhnlich ist. Aber letztendlich zählt der Erfolg – und das Ansehen in der Branche. Anfang Februar hat er etwa mit Judith van Hel, bekannt von der jüngsten “The-Voice-of-Germany”-Staffel, an Songs gearbeitet. Zuvor sind schon Lieder für die Karneval-Barden Höhner entstanden. Und eben für Howard Carpendale. Der Schlagersänger, Jahrgang 1946, wollte ein bisschen weg von seinem Image und hat deswegen die Zusammenarbeit mit jungen deutschsprachigen Musikern gesucht. Eine Kooperation, die Carpendale zurückblickend “respektvoll, uneitel und äußerst kreativ” bezeichnet. “Der Altersunterschied war spannend, da meine Lebenserfahrung in die heutige Sprache verpackt wurde”, sagt Carpendale. “Das ist das Tolle an Robert Redweik und den anderen Autoren: Sie haben das verarbeitet, worüber wir tagelang gesprochen haben. Über mein Leben, über die Themen, die aus meiner Sicht heute dem Zeitgeist entsprechen.” Von all diesen Erfahrungen spricht Robert Redweik in einer kleinen Bar im Glockenbachviertel. Seine Augen sind glasig, eine Erkältung vielleicht, vermutlich auch Übermüdung. Der 3o-Jährige kommt viel herum momentan. Mal eine Deutschlandtour als Support von größeren Bands, mal die letzten Aufnahmen in Berlin für das Album “Keine Liebe”, das Ende Februar erscheint – und immer mal wieder Interviews, bei denen er immer wieder die gleichen Antworten gibt – etwa, dass ihm die Idee für die Single “Sammelst Du Herzen”, die an vergangenen Freitag erschienen ist, im Tengelmann um die Ecke eingefallen ist. Treuepunkte und Treue eben. Und natürlich Rock ‘n’ Roll, so ein Musikleben kann anstrengend sein. Die Bedienung fragt den Musiker, ob er den gleichen Wein wie am Abend zuvor haben möchte. Und neben dem Musikgeschäft das große Business. Die Treffen der Munich Angels finden regelmäßig statt – das hat sich seit der Gründung 2010 nicht verändert. Gemeinsam mit dem Unternehmer Reiner Mauch hatte Robert Redweik die Idee für diesen informellen Stammtisch, weil es in München jede Menge Investoren gibt, diese aber keinen Kontakt untereinander gepflegt haben. Mauch, der die Internetfirma Consors mitaufgebaut hat, charakterisiert Redweik als einen “sehr fokussierten Typen” mit einem breiten Knowhow. “Besonders freut es mich natürlich, dass er seine Kontaktfreudigkeit und sein Organisationstalent immer wieder in den Dienst der Angels stellt, so dass er das eigentliche Herz der Veranstaltung ist”, sagt Mauch. An diesem Abend werden drei Geschäftsmodelle vorgestellt: was Kleines aus dem Bereich Bergsport, ein Internetportal für Fahrschulen sowie ein Big-Data-Unternehmen. Die potenziellen Investoren hören den Start-ups zu, stellen Fragen und gehen immer mal wieder für eine Zigarette ins Freie. Ganz leger eben, und ganz “ohne Chichi”, wie es einer der Business Angels beschreibt. Bei dieser Runde müsse keiner angeben, hier könne man ganz normal unter Gleichen sein. Unter Millionären. Und einem Rockmusiker.

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